Hautpflege durch Kangalfische - auch Doktorfische genannt

Es gibt gleich zwei Arten von „Doktorfischen“: Die echten Doktorfische (Acanthuridae) heißen so wegen ihrer „Skalpell“ genannten hornartigen Klingen, die sie vor der Schwanzwurzel tragen und die sie als Defensivwaffe einsetzen können. „Doktorfische“ ehrenhalber nennt man auch die kleinen, rötlichen Saugbarben (Garra rufa) aus der Familie der Karpfenfische. Sie kommt im Jordan, im Orontes- und in Euphrat-Tigris-System, sowie in einigen Küstenflüssen Nordsyriens und der südlichen Türkei vor. Bekannt wurde vor allem eine Population aus der türkischen Region Kangal, weshalb sie auch Kangalfische genannt werden.

Christian Täumer, professioneller Tropenfischzüchter, hat im Jahr 2000 einige „Doktorfische“ aus dem Kangalfluss nach Landau geholt. Nach drei Jahren schwammen die ersten eigenen Nachzüchtungen in seinem Aquarium. „Nur 15 Prozent des Nachwuchses überlebt“, weiß Täumer, „deshalb wollen die Türken jetzt wieder Fische zurückhaben“. Doch nicht nur aus der Türkei, sondern aus ganz Europa kommen Anfragen. Denn der Spezialist ist einer von lediglich drei Züchtern in Deutschland, denen die Vermehrung der Knabberfische in einem Bassin gelungen ist. 

Die Saugbarben knabbern die rauen Schuppen ab

Als die Rheinpfalz-Zeitung 2003 vom Erfolg des Landauer Züchters berichtete, löste die Nachricht eine nicht geahnte Welle der Hoffnung auf Heilung von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis), Ekzemen, Akne und Fußpilz aus. „Ungefähr 600 Menschen haben damals bei mir angerufen“, erinnert sich Christian Täumer. Heilpraktiker und Privatpersonen stehen seither Schlange vor der Tür des Landauer Fischzüchters.
In acht großen Becken hat er den kleinen Fischen im warmen Wasser mit optimalem pH-Wert und viel Magnesium, Sulfat und Calcium so ideale Lebensbedingungen geschaffen, dass sie sich vermehren. Interessenten können die knabbernden Heilsbringer bei ihm wahlweise kaufen oder mieten. „Je nachdem, wie groß die erkrankte Hautfläche ist, reichen 30 bis 50 Fische für eine Behandlung aus“, meint Täumer.

Ein Landauer Heilpraktiker hat damals ein Behandlungs-Aquarium eingerichtet und sich über Behandlungserfolge unter ersten Freiwilligen seiner Patienten gefreut. „Die Fische „riechen“ die betroffenen Hautstellen und sondern beim Ansaugen Enzyme ab, die heilend auf die entzündeten Hautstellen wirken. Das Knabbern wirkt zusätzlich wie eine Massage“, berichtet Täumer. Wissenschaftlich ist diese These nicht ganz unumstritten: Wie das „Psoriasis-Netz“ mitteilt, kann die „Ichtyotherapie“ gerade bei Psoriasis durchaus erfolgreich angewendet werden, doch gäbe es keinerlei Belege für die Absonderung von Enzymen oder Speichel.

Quelle: DIE RHEINPFALZ - Nr. 250

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Garra rufa

 
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